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Kälber - Biestmilchphase

Fütterungskonzept Rind für mehr Leistung und Gesundheit.
Klicken Sie auf die Leistungsphasen für mehr Informationen.

Milchkuh Kälber Jungvieh Fresser/Bullen
Trockenstehphase Biestmilchphase Jungrinder-
aufzucht I
Zukaufkälber
Geburt Kälberaufzucht-
phase I
Jungrinder-
aufzucht II
Fresseraufzucht
Laktation Kälberaufzucht-
phase II
  Bullenmast

 


Leistungsziele

  • guter Start in das Leben
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit
  • Schutz vor lebensbedrohenden Krankheiten
  • Kälberverluste vermeiden
     

Bedeutung der Phase

Kälber kommen ohne jegliche Antikörper zur Abwehr von Krankheitserregern, also völlig schutzlos, auf die Welt. Diese müssen die Neugeborenen vollständig über die Biestmilch aufnehmen. Die Biestmilch stellt eine passive Immunisierung dar, die eigene aktive Immunabwehr der Kälber entwickelt sich erst langsam mit einem Alter von drei bis fünf Wochen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie ausschließlich auf die passive Schutzwirkung der mit der Biestmilch aufgenommenen Antikörper angewiesen. Die wichtigen Inhaltsstoffe der Biestmilch sind in erster Linie Antikörper (IgG, IgA und IgM), Immunzellen und Immunmodulatoren, die für das Immunsystem wichtig sind. Die Nährstoffe (Eiweiß, Fett und Lactose), Mengen- und Spurenelemente, Vitamine, bioaktive Substanzen und Laxantien wirken im Stoffwechsel und im Darm.

Biestmilch unterscheidet sich in der Zusammensetzung deshalb deutlich von normaler Kuhmilch und enthält mehr Trockensubstanz. Durch den hohen Gehalt an Immunglobulinen liegt der Eiweißgehalt bis zu fünfmal höher. Als Biestmilch kann nur das erste Gemelk nach der Kalbung bezeichnet werden. Nur in diesem ersten Gemelk sind die Immunglobuline in einer ausreichend hohen Konzentration vorhanden. Schon im zweiten Gemelk sind nur noch rund 60 % der ursprünglich vorhandenen Mengen an Immunglobulinen enthalten. Daher wird die Milch ab dem zweiten Gemelk bis zur ablieferungsfähigen Milch als „Transition milk“ bezeichnet.

Die Höhe der Schutzwirkung der Biestmilch ist von zwei Faktoren abhängig. Zum einen vom Zeitpunkt der Biestmilchaufnahme und zum anderen von der Konzentration an Immunglobulinen. Die Kälbergesundheit ist direkt abhängig von der Biestmilchversorgung. Für das Biestmilch-Management gilt die Regel „früh und viel“. Die mit der Biestmilch aufgenommenen Antikörper gelangen durch die Dünndarmschleimhaut in den Blutkreislauf, von wo aus sie ihre Abwehraufgaben im Organismus erfüllen.
 


 Durchfallprophylaxe und -behandlung

Neben Atemwegserkrankungen stellen Durchfallerkrankungen die häufigste und verlustreichste Erkrankung bei jungen Kälbern dar. Die hierdurch entstehenden Schäden sind enorm. Neben den Kosten für tierärztliche Behandlungen und Medikamente und dem erheblichen Zeitaufwand für die Pflege der erkrankten Kälber sind es Verluste durch Totalausfälle, Kümmern, geringe tägliche Zunahmen und eine insgesamt verzögerte Entwicklung.

 
Faktorenkrankheit
 
Der Durchfall junger Kälber wird durch verschiedene Faktoren verursacht. Neben den unbelebten (abiotischen) Faktoren wie Haltungs- und Klimamängel, Stress, mangelnde Hygiene und fehlerhafte Fütterung spielen auch belebte (biotische) Faktoren
eine Rolle. Hierzu zählen Krankheitserreger wie Bakterien (E. coli, Salmonellen), Viren (Rota- Corona) und Parasiten (Kryptosporidien, Kokzidien). An der Entstehung bestandsweise gehäufter Durchfallerkrankungen sind fast immer mehrere
der oben genannten Faktoren beteiligt. Ein Medikament „gegen den Durchfall“ gibt es nicht.
 
Folgen
 
Unabhängig von der Ursache des Durchfalls verliert das Kalb mehr oder weniger große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten.
 
Behandlung und Tränkung
 
Die dringendsten Behandlungsmassnahmen bei Durchfall sind:
 
  • Ersatz der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste
  • Deckung des Nährstoff- und Energiebedarfs.
 
Solange die Kälber trinken, muss ihr Nährstoff- und Energiebedarf durch die volle Milchmenge gedeckt werden. Das Kalb mit Durchfall wird genauso mit Milch getränkt wie das gesunde Kalb.
Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, Milchentzug (Diät) bei Durchfallkälbern ist schädlich. So hatten kontinuierlich
mit Milch getränkte Durchfallkälber die gleiche Krankheitsdauer, aber deutlich höhere Körpergewichte bei Durchfallende als die Vergleichskälber der Diätgruppe.
Schon sofort zu Beginn des Durchfalls (Früherkennung wichtig!) und während des Durchfalls sind die Flüssigkeitsverluste durch zusätzliche Gaben von Sanolyte-Tränke im Abstand von ca. zwei Stunden nach der Milchtränke zu ersetzen. Siehe Tränkeplan für Durchfallkälber.


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